Karma Kommunikation: Familie online

26/05/2009 um 15:19 | Veröffentlicht in Aussenwelt, Karma Kommunikation | Hinterlasse einen Kommentar
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378616_R_K_B_by_Sylvia-Weigel_pixelio.deDas Web 2.0 hat mein Familienleben verändert. Nicht unbedingt das meiner Kernfamilie, sprich: Mit meinen Eltern telefoniere ich nach wie vor regelmäßig und sogar analog. Aber über meine Onkel, Tanten, Cousinen und deren Kindeskinder bin ich plötzlich total gut informiert – früher fand ich Familientreffen eher lästig.

Was ist geschehen? Alles fing damit an, dass meine beiden Cousinen nach Perth umgezogen sind. Fortan begannen sie, Freunde und Angehörige mit Rund-Emails über ihre diversen Abenteuer im Outback zu informieren, und da rutschte die Berliner Base mehr oder weniger zufällig mit in den Verteiler. Life gesprochen hatten wir uns, glaube ich, jeweils ein Mal in den vergangenen 5 Jahren. Und nicht nur aus Australien vernahm ich nun stets Neues, auch die Retourkutschen aus der schwäbischen Provinz gingen plötzlich cc nach Berlin. Und da ich das viele, das ich so zu lesen bekam, ab und an kommentierte, entspannen sich plötzlich zarte Email-Bande, wo früher ein paar von Großelternseite angeordnete, gemeinsame Spielenachmittage keinerlei Sympathien anzurichten vermocht haben. Freunde auf Facebook sind meine Cousinen und ich inzwischen längst und teilen so die alltäglichen Online-Jokes, und auch die Neuigkeiten auf meinen Sites und Blogs werden in Australien wahrgenommen. Die Häuser der Mädels in Perth habe ich via Google Streetview besichtigt (das ist dort erlaubt, hier nicht) und wachsende Babybäuche und sprießende Babylöckchen habe ich in unzähligen Emailfotos miterlebt. Das nächste Familientreffen geriet anstelle einer beklemmenden Veranstaltung unter Halbfremden zu einem Fest der ehrlichen Wiedersehensfreude.

Meine biedere Tante, die durch die Abwesenheit ihrer Töchter plötzlich zur Email-Autorin geworden war, entdeckte mit der Geburt des ersten australischen Enkels noch ein Wunder des Webs: Skype. Mit Webcam läßt sich der kleine Fratz auch auf die Ferne beim Wachsen und Gedeihen beobachten. Auch ich bin mit den Cousinen auf Skype verbandelt, so auch mit der Tante. Und während sie mich niemals aus heiterem Himmel einfach so angerufen hätte, um mich zu fragen, wie es mir geht, ist es etwas anderes, wenn meine Anwesenheit auf Skype sichtbar ist. Eine offenbar gesprächsbereite Nichte skypt meine Tante gerne an.

Heute Abend sind meine Tante und der dazugehörige Onkel in Berlin zu Besuch. Die Ankündigung der Reise erreichte mich auf Skype, ein detailliertes Reiseprogramm folgte per Email. Ich freu mich schon auf das Treffen.

Ich habe auch noch Cousins, die leben nach wie vor in Süddeutschland in der Nachbarschaft meiner Eltern. Das dritte Kind des Älteren ist nun auch schon bald zwei Jahre alt – ich weiß nicht, wie es aussieht. Die vermeintlich räumliche Nähe hat bisher das Bedürfnis nicht entstehen lassen, eine online-Freundschaft zu entwickeln. Ich sollte das mal angehen.

Foto: © Sylvia Weigel/ PIXELIO

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